Die Kunst der Beziehung: Eins-Sein oder Eins-und-Verschieden-Sein?

Der innerste Traum jedes Lebewesens ist der Traum nach einer vollkommenen Beziehung, einer Beziehung unendlichen Vertrauens und tiefster Erfüllung. Was sagt die zeitlose vedische Literatur zu diesem Thema? Empfiehlt sie den Weg des ADVAITA-VADA (Nur-Eins-Sein) oder die Philosophie des BHEDA-ABHEDA-TATTVA (gleichzeitiges Eins-und-Verschieden-Sein)?

Jedes Lebewesen – ausnahmslos – strebt immer und überall nach der vollkommenen Beziehung. Durch die illusorische Identifizierung mit einem materiellen Körper aber fühlt sich jedes Lebewesen getrennt.

Ist es nun sinnvoll, der Überwindung dieser Trennung, d.h. der Sehnsucht nach Einheit, den Wunsch aller Wünsche, den Wunsch nach einer sinnvollen und erfüllenden Beziehung (und somit die eigene Individualität) zu opfern?

Nein. Es ist nicht sinnvoll. Es ist vielmehr nur eine Frust-Handlung, spiritueller Selbstmord.

Nur Individuen ist es möglich, sinnvoll eins zu sein. Undifferenzierte Einheit macht jede Beziehung offensichtlich unmöglich und ist deshalb bedeutungslos. Wahre Einheit setzt wahre Individualität voraus. Das ist die geniale Philosophie Sri Caitanya Mahaprabhus, des Yuga-Avatars für dieses Zeitalter, schon vor Tausenden von Jahren in den vedischen Schriften angekündigt.

Diese Philosophie überwindet alle Widersprüche auf der transzendentalen Ebene reinen Bewusstseins (shuddha sattva). Sie wird deshalb acintya (unbegreiflich) genannt, weil sie den Materialisten und gedanklichen Spekulanten (Monisten) ewig unverständlich bleiben muss. Der Zugang zur Ebene des Brahman, des reinen Bewusstseins, ist den materiellen Sinnen, dem materiellen Geist und der materiellen Intelligenz ewig verwehrt. Sie ist nur durch Offenbarung begreifbar, die exakt zwei Dinge voraussetzt: Gnade vonseiten des Gewährers, Demut vonseiten des Empfängers.

In den Veden wird erklärt, dass jede egoistische Bemühung, in diesen Bereich der Wirklichkeit vorzudringen, dem Dreschen leerer Getreidehülsen (Spreu) gleicht: Alles, was man davon hat, ist die Arbeit. Man kann sich diesen Eintritt weder erarbeiten, erdenken, erspekulieren, erphilosophieren, noch kann man ihn fordern. Bruno Gröning hat des sehr klar ausgedrückt: „Erlangen, nicht verlangen!“

Die Kunst der Beziehung – Schlussfolgerung:

Erkenne deine eigene unüberwindliche Hilflosigkeit und Unwissenheit. Diese essentielle Erkenntnis ist die Grundlage aller Macht und allen Wissens. Lass deinen materiellen Stolz, deine Eingebildetheit, deine esoterische Arroganz, deine philosophische Überheblichkeit und deinen wissenschaftlichen Hochmut los. Lass das alles gehen. Lass diese Fesseln los. Nicht sie binden dich, du bindest dich an sie.

Akzeptiere deine Abhängigkeit von deiner Quelle, der Ersten Person. Wirf alle falsche Last von dir! Wenn du wirklich und wahrlich ewig glücklich werden willst, dann garantiere ich dir: Es gibt keinen anderen Weg. Es gibt keine Alternative. Denn dieser Weg ist so vollkommen wie sein Ziel: Sat cid ananda vigraha – vollkommenes Wissen in grenzenloser Glückseligkeit in einem ewigen individuellen Körper (vigraha).

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Friedrich Asen beschäftigt sich als brahmanischer Priester einer alten spirituellen Tradition seit über 30 Jahren mit der zeitlosen vedischen Philosophie Indiens und lebt sie im Alltag. Als vedischer Astrologe bietet er das vedische Kavaca-Horoskop an, das uns hilft, das eigene Potential zu entwickeln.

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