Wie ich mir eine Revolution vorstelle

Eine Revolution ist dann notwendig, wenn die führenden Teile der Gesellschaft ihrer Verantwortung nicht mehr nachkommen. Das bedeutet, sie handeln nicht mehr zum Wohl der Gesamtheit, sondern versuchen sich im Gegensatz auf ihrer Kosten zu bereichern. Es bedarf jedoch eines entscheidenden Faktors, um eine Revolution im Sinne des Gesamtwohls erfolgreich werden zu lassen. Wird dieser nicht berücksichtigt, ersetzt der revoltierende Gesellschaftsteil den herrschenden, nur um danach genauso wie dieser fortzufahren. Was ist also der entscheidende Faktor, mit dem eine Revolution steht oder fällt? Die Qualität des Bewusstseins.

Wir alle gehen mehr oder weniger bewusst durchs Leben. Das Bewusstsein der Mehrheit der heutigen Menschheit ist durch kurzsichtigen Egoismus verschmutzt, unter dem nicht nur die Allgemeinheit massiv leidet, sondern letztendlich auch jedes Individuum. Durch falschverstandenen Egoismus sägt sich jedes Individuum, das diesem zum Opfer fällt, den eigenen Ast ab, auf dem es sitzt. Das hier ein schmerzhafter Fall unvermeidbar ist, darf nicht überraschen.

Wenn wir diesen krankhaften Egoismus nun auf die Gesellschaft erweitern, entsteht ein erweiterter Egoismus, der sich im Zusammenschluss verschiedener Gesellschaftsgruppen widerspiegelt. Feudalherren, die ihre Bauern unterdrücken, Bürger, die gegen Adelige aufbegehren, Arbeiter, die gegen Kapitalisten revoltieren. Je nachdem, welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt, will man eine Verbesserung ihrer Lebensumstände und vergisst dabei auf die viel naheliegendere und konstruktive Lösung: Ein optimales und faires Zusammenleben des Gesamten. Auf Basis dieser Kurzsichtigkeit entstehen Arbeiterbewegungen, Bürgerparteien und Systeme wie Kommunismus und Kapitalismus. All diese Systeme sind zum Scheitern verurteilt, weil der grundsätzliche Ansatz an der Tatsache vorbeigeht, dass die menschliche Gesellschaft ein Organismus, eine Gesamtheit ist.

Sozialer Frieden kann erst dann entstehen, wenn wir es zu unserem unumstößlichen Grundsatz erheben, der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit zu dienen. Dies ist nicht damit zu verwechseln, dass wir unsere Zugehörigkeit zu einer gewissen Gesellschaftsgruppe aufgeben müssen. Vielmehr müssen wir uns die Frage stellen: Welche Position nehme ich oder meine Gruppe in der Gesellschaft am besten ein, um ihr bestmöglich zu dienen?

Der Unterschied zwischen Individualität und krankhaftem Egoismus

Zuerst einmal ist zu unterscheiden zwischen Individualität und Egoismus. Die Folgen krankhaften Egoismus können sicherlich nicht durch die künstliche Nivellierung und Gleichschaltung aller Individuen einer Gesellschaft aufgehoben werden. Die dramatischen Folgen eines solchen Vorgehens konnten wir zur Genüge im Kommunismus beobachten, der die Menschen ihrer Kreativität, ihres Ehrgeizes und letztendlich ihrer Lebensfreude beraubte. Doch auch heute sehen wir in der westlichen Welt unter dem Deckmantel der Multikulturalität eine Degeneration der Gesellschaft und eine planlose Vermischung von Kulturen und Strukturen, die nicht zu Entwicklung und kultureller Blüte in der Gesellschaft führt, sondern zu einem alarmierenden Verlust jeglicher Vielfalt und Identifikation. Die Folge sind entwurzelte Menschen, denen jeglicher Halt fehlt. Somit werden sie leichte Beute für die billige Propaganda des Hedonismus und des Kapitalismus. Die Menschen werden sinnentleerte Wesen gesteuert durch Brot und Spiele.

Dem entgegen steht die Betonung des Rechts auf Individualität eines jeden Menschen. Der Mensch hat ein Recht, ja eine primäre Verantwortung sich selbst gegenüber. Nur wenn sein individuelles Wohl gewährleistet ist, kann er der Gesamtheit dienen. Alleine daraus wird ersichtlich, welch hohen Stellenwert das individuelle Wohl hat und wieso wir natürlicherweise zuallererst uns selbst und dann erst unseren Nächsten verpflichtet sind. Individualität, die als Voraussetzung zum Dienst an der Allgemeinheit verstanden wird, ist dem Allgemeinwohl also in keinster Weise entgegengesetzt.

Kritisch wird es, wenn das Individuum seine Position als Teil der gesellschaftlichen Gesamtheit vergisst oder ignoriert. In diesem Moment geht seinem Selbstvertändnis die lebenswichtige Erkenntnis verloren, dass die größtmögliche Entfaltung seiner Individualität darin besteht, dem Gesamten zu dienen. Sobald diese Erkenntnis verlorgen geht, kehrt sich Individualiltät in Egoismus um. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass das Individuum sich nicht mehr als Teil des gesamten Organismus sieht. Wenn es nun für sein eigenes Wohl aktiv wird, geschieht dies nicht mehr mit dem höheren Beweggrund, dem Gesamten damit besser zu dienen, sondern mit dem niedrigen und kurzsichtigen Motiv, sich auf Kosten des gesamten Organismus einen Vorteil zu verschaffen. Auf diese Weise verkommt das Individuum zu einer Krebszelle im Organismus der Gesellschaft und leitet somit seinen eigenen Untergang ein.

Die Ursache von Egoismus

Das Gift, das Egoismus in einer Gesellschaft entstehen lässt, ist Misstrauen. Einer Tatsache, der sich die Engländer durch ihr „divide and conquer“ immer wieder bedient haben. Säe Misstrauen und Zwiespalt in einer Gesellschaft und du kannst sie beherrschen, ohne sie jemals militärisch erobern zu müssen.

In gleichem Maße wie Vertrauen eine Gesellschaft zu Höchstleistungen in Kultur, Kreativität und Wirtschaft führen kann, so kann Misstrauen eine ganze Gesellschaft lähmen. Wenn ein Individuum seinen Mitmenschen nicht mehr traut, möchte es für diese nicht länger tätig sein. Es beginnt ein Abgrenzungsprozess. Dieser kann sich letztendlich dahin entwickeln, dass sich Individuen oder ganze Bevölkerungsgruppen dermaßen ausgenutzt fühlen, dass es zur Revolution kommt. Womit sich der Kreis dieses Artikels wieder schließt.

Zu ergründen ist nun die Quelle des Misstrauens. Derer gibt es mehrere. Zum einen kann Misstrauen künstlich gesät werden, um eine Gesellschaft zu destabilisieren, in der es keinen tatsächlichen Grund für Misstrauen gibt. Zum anderen kann Misstrauen geschürt werden, indem man die Menschen zu oberflächlichen, einzig im Konsum Freude suchenden Wesen erzieht. Wie das?

Nehmen wir das Beispiel der Promiskuität: Wenn ein Mensch von klein auf dazu erzogen wird, die Erfüllung des Lebens vorwiegend darin zu suchen, mit möglichst vielen Sexualpartnern aktiv zu sein und ihm dies als erstrebenswertestes Ziel präsentiert wird, betrachtet er andere Menschen vorwiegend als Objekte zur Erfüllung dieses Ziels. Dies verschafft ihm im Umkehrzug jedoch die traurige Gewissheit, dass er selbst von anderen gleichermaßen objektifiziert und damit reduziert wird. Obwohl sich viele Menschen dieser Tatsache nicht bewusst sind, tragen sie diese Erkenntnis doch unbewusst mit sich herum. Da sie nie bewusst aufgearbeitet wurde, entlädt sie sich als undifferenzierter Argwohn und letztendlich Misstrauen anderen Menschen gegenüber. Es ist ein mehr oder weniger bewusstes (meist Zweiteres) Eingeständnis, dass man ein oberflächlicher, unverbindlicher Mensch ist, dem man selbst nicht trauen würde. Weil man seine eigenen Beweggründe, sein eigenes Verhalten auf andere projiziert und somit davon ausgeht, dass alle anderen so sind, wie man selbst, misstraut man ihnen. Ein Betrüger ist selbst ständig argwöhnisch, betrogen zu werden. Ein Playboy hat selbst Angst, ausgenutzt zu werden und möchte sich daher nicht öffnen. Konsumsucht führt zur Betonung der Quantität statt der Qualität. Statt der Tiefe einer Beziehung zählt plötzlich die Anzahl der Sexpartner, statt einem guten Freund zählt die Anzahl an Followern auf Instagram, eine einzelne Reise erfüllt uns nicht mehr. Wir brauchen City-Hopping, Continent-Hopping, immer auf der Suche nach neuen Genüssen, die uns wie den Fisch am Land doch nie erfüllen. Genau diese Oberflächlichkeit führt zu Frust und Priorisierung von Objekten über Menschen und somit letztendlich zu Misstrauen. Zuerst sich selbst und als Folge anderen gegenüber.

Eine weitere Ursache für Misstrauen liegt in folgendem Umstand.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Verhalten gesellschaftlicher Führungskräfte

Auch wenn wir in der Schule und den Mainstream-Medien Floskeln wie „Menschlichkeit“, „Umweltschutz“ und „Toleranz“ mit auf den Weg bekommen, ändert dies nichts an der tatsächlichen Vorbildwirkung unserer aktuellen Gesellschaft.

  • Von Kindesalter an wird dem jungen Menschen als vermeintliche Tatsache gelehrt, dass alles Seiende aus purem Zufall entstanden sei und daher jeglichen intrinsischen Sinns entbehrt.
  • Die Evolutionstheorie lehrt uns das Überleben des Stärkeren, welches jeglicher menschlicher Emotionen wie Mitgefühl, Barmherzigkeit und Liebe entbehrt. Wenn überhaupt, werden diese Emotionen als rein evolutionäre Überlebenstriebe ausgelegt und somit jeglicher Attraktivität und Lebenskraft beraubt.
  • Unsere aktuelle Gesellschaft lehrt dem Individuum, dass die größten Verbrechen ungesühnt verübt werden können. Wie sonst ist es zu erklären, dass ein gewisser amerikanischer Präsident, der alleine im Zeitraum von 2009-2015 um die 380 (Schätzungen gehen von bis zu 801) Zivilisten durch Drohnen hat töten lassen und völkerrechtswidrig in den Irak und Syrien eingedrungen ist und somit für hunderttausende Tote mitverantwortlich ist, den Friedensnobelpreis bekommt?
  • Banken pressen die Menschheit durch die Zinseszins-Falle und das Schuldgeldsystem bis auf den letzten Cent aus (in Österreich liegt die Gesamtsteuerbelastung bspw. bei über 60%), verzocken trotzdem Milliarden und werden dann aufgrund ihrer scheinbaren Systemrelevanz durch Steuergelder aufgefangen.
  • Wir werden durch hohe Steuern (bspw. auf Autos) zum Umweltschutz angehalten, gleichzeitig fordern die gleichen Regierungen die vehemente Steigerung der Absatzzahlen für Autos und ermutigen zum Konsum. Soll die Menschheit nun umweltbewusst handeln oder möglichst viel konsumieren? Diese zwei Punkte stehen sich konträr entgegen.

Alle guten Eltern wissen: Es zählt nicht, was du sagst, es zählt was du tust. An deinem Vorbild wird sich dein Kind orientieren.

Was für ein Vorbild geben uns die führenden Kräfte in der Gesellschaft?

Die Revolution des Bewusstseins

Eine Revolution hat nur dann Erfolg, wenn es eine Revolution des Bewusstseins ist. Gesunde Individualität, ein ganzheitliches Verständnis der Gesellschaft als Gesamtorganismus, die Öffnung für ein göttliches Bewusstsein, das unser aller Existenz mit liebevollem Sinn durchdringt, die Wiederaufnahme von echter Religion (im Sinne von Verbindung mit der höchsten liebenden Persönlichkeit jenseits von Bezeichnungen wie Islam, Christentum, Judentum), dies sind einige Merkmale eines wieder aufblühenden Bewusstseins, das zu Frieden und Wohlstand verhelfen kann.

Dies ändert vorerst jedoch nichts an der momentanen Situation, die selbst den rechtschaffensten Menschen veranlasst, sich misstrauisch dieser Gesellschaft zu entziehen. Unsere westliche (aber in vielen Bereichen die gesamte globale) Gesellschaft ist dermaßen vom Weg abgekommen, dass sich ein rechtschaffener Mensch sogar verpflichtet fühlt, ihr zu misstrauen und sich von ihr loszulösen.

Hier kehrt sich also das Bild um. Nicht die egoistische Zelle löst sich vom gesunden Körper und wird dadurch zum Krebs, sondern die wenigen gesunden Zellen lösen sich vom völlig dem Krebs verfallenen Körper und versuchen selbstständig zu überleben oder viel besser, einen neuen gesunden Gesamtorganismus aufzubauen.

Dieses Bild veranschaulicht sehr schön den Lösungsansatz, den ich vertrete. Wenn wir davon ausgehen, dass diese Gesellschaft dem Krebs verfallen ist, ist es nicht rechtens, wenn wir in ihrem Strom mitschwimmen. Gleichzeitig ist es aber nicht in unserem Interesse, uns vom Gesamtorganismus abzunabeln. Vielmehr würden wir gerne konstruktiv in der Gesellschaft tätig sein. Die Distanzierung von der Gesellschaft ist ein notwendiges Übel. Bei genauerer Betrachtung distanziert sich der rechtschaffene Mensch aber gar nicht von der Gesellschaft. In Wahrheit ist es die Gesellschaft, die sich von sich selbst distanziert und so von innen zersetzt. Der rechtschaffene Mensch distanziert sich lediglich von ihren selbstzerstörerischen Dynamiken.

Der rechtschaffene Mensch beginnt bei sich, um das erhöhte Bewusstsein zu bekommen, mit dem er dem Gesamtorganismus wieder zu Gesundheit verhelfen kann. Er fragt sich aufrichtig:

  • Was ist der Sinn des Lebens?
  • Gibt es eine allumfassende göttliche Persönlichkeit, zu der ich eine vergessene unendlich liebevolle Beziehung habe?
  • Bin ich dieser Körper oder Bewusstsein, das diesen Körper durchdringt?
  • Wie kann ich der Gesellschaft dienen?

Alleine die Auseinandersetzung mit diesen Fragen erhöht das Bewusstsein bereits.

So wie fürsorgliche Eltern gerade wegen der Liebe zu Ihren Kindern nicht alles mit diesen mitmachen, sondern gewisse Dinge zum Wohle des Kindes verneinen, so laufen fürsorgliche, rechtschaffene Menschen nicht mit der Masse der Gesellschaft mit. Sie ziehen Grenzen, sie wecken auf und – und das ist ganz wichtig – sie zeigen wie liebevolle Eltern Alternativen auf.

Wir sind dazu angehalten, unser eigenes Bewusstsein zu entwickeln. Wir müssen uns mit gesünderen alternativen Wirtschaftssystemen vertraut machen, wir müssen uns wieder mit der essentiellen Bedeutung der Familie auseinandersetzen und wir müssen uns mit Religion jenseits von Vorurteilen auseinandersetzen, wenn wir unseren Beitrag zu einer friedvollen, lebenswerten Gesellschaft leisten wollen.

Wenn wir das getan haben, geben wir dieses Wissen an möglichst viele Personen in verdaubaren Mengen weiter. Das ist die Revolution von Innen, wie ich sie mir vorstelle.

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David ist Internet-Unternehmer mit Leidenschaft, Autor und Sprecher und seit seinem siebzehnten Lebensjahr im Internet selbstständig. Man kennt ihn für sein Buch "Online-Marketing für Selbstständige". David studiert Philosophie und Theologie an der University of Chester mit Schwerpunkt auf die altindische vedische Tradition.

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2 Kommentare zu Wie ich mir eine Revolution vorstelle

  1. Guter Artikel! Tatsächlich ist es notwendig, dass sich ein Volk für eine bestimmte Regierungsform qualifiziert. Die gegenwärtige „Demokratie“ ist nichts anderes als Betrug und Augenauswischerei und lässt auf das Bewusstseinsniveau der so Beherrschten schließen. Die Leute schimpfen auf Politik und Politiker, aber sie übersehen dabei, dass sie in Resonanz zu diesen stehen. Sie bekommen, was sie verdienen. Deshalb ist es sinnvoller, anstatt mit dem Finger auf andere zeigen, einfach bei sich selbst anzufangen. Darin liegt die Macht des Einzelnen. „Ich kann ohnedies nichts ändern“, gilt nicht. Du kannst bei dir selbst anfangen. Das liegt in deinem unmittelbaren Einflussbereich. Ohne Läuterung des Bewusstseins ist es unmöglich, eine bessere, menschlichere Politik, Wirtschaft und gesellschaftliche Ordnung zu schaffen. Es ist unumgänglich, vom ohnmächtigen Jammern zur Selbsterhebung fortzuschreiten.

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