Placebo – Wirkung ohne „echte“ Medikamente oder Behandlung: Geht das?

Placebo

Vielleicht haben Sie schon mal vom Placebo-Effekt gehört? Wenn ja dann wahrscheinlich nur in dem Zusammenhang: „ Das nützt ja nichts, ist ja nur der Placebo-Effekt“, oder „Das ist ja alles nur eingebildet, da ist ja gar nichts Wirksames drinnen“.

Aber genau dieser Effekt ist der Schulmedizin seit jeher ein Dorn im Auge, denn dieser Effekt kann dazu führen, dass sich bei Patienten eine Besserung oder gar Heilung der Krankheit zeigen kann, ohne, dass man diesem ein „echtes“ Medikament oder eine „echte“ Behandlung gegeben hat. In sehr vielen Fällen ist ein Placebo mindestens genauso wirksam oder sogar wirksamer wie das Medikament mit aktivem Wirkstoff.

Es gibt unterschiedliche Arten von Placebo-Effekten, wie ausgeprägt dieser bei der einzelnen Person auftritt ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen psychologischen wie auch biologischen Faktoren ab. Ein wichtiger Faktor ist die Konditionierung, diese kann z.B. sowohl auf der Ebene des Immunsystems über soziales Lernen oder eine verstärkte Erwartungshaltung stattfinden. Weitere Faktoren sind z.B. kultureller Hintergrund oder auch Intention.

Für die Konditionierung des Immunsystems als Beispiel wurden Versuche mit Ratten gemacht. Man gab ihnen für eine gewisse Zeit eine Zuckerlösung mit einem bestimmten Geschmack und einer Substanz die zur Absenkung der Immunfunktion führt. Anschließend wurden einem Teil der Versuchstiere die Lösung ohne die Substanz gegeben und es stellte sich genau die gleiche Wirkung wie mit Substanz ein.

Ein anderes Beispiel für Konditionierung in Bezug auf Erwartungshaltung wurde ebenfalls experimentell bewiesen. Testpersonen wurde eine Salbe gegeben und gesagt, sie wirke schmerzstillend (eine Gruppe erhielt eine echte, die andere wiederum eine ohne Wirkung). Die Personen wurden dann einem Schmerzreiz ausgesetzt und auch hier zeigte sich bei viel Patienten wieder eine schmerzstillende Wirkung auch ohne echte Salbe.

Wie kann das sein?

Wenn ein Patient eine Spritze oder ein anderes medizinisches Gerät sieht und eine Behandlung erwartet, werden im Gehirn je nach Erwartungshaltung bzw. Konditionierung bestimmte Moleküle produziert. Im Fall von Schmerzmitteln z.B Opioide. Wenn die Spritze dann injiziert wird, werden diese freigesetzt und die Wirkung tritt ein. Man kann aber nicht sagen, ob diese durch das Medikament oder vom Körper selbst eingeleitet wurde, denn es funktioniert sowohl mit als auch ohne Medikament in der Spritze.

Wird diese Erwartungshaltung aber ausgeschaltet, z.B dadurch, dass der Patient eine versteckte Injektion erhält und nicht weiß, dass er eine Behandlung erhält, kann beides passieren, eine Wirkung oder keine, je nach Patient und Substanz.

Diese ganzen Beispiele zeigen also sehr deutlich, dass nicht unbedingt eine wirksame Substanz (siehe auch Homöopathie oder ähnliches) vorhanden sein muss, oder dass die „wirksame“ Substanz bei jedem wirken muss. Wichtig ist vor allem das Verhältnis vom Behandelnden zum Patienten und dass der Behandelnde auf diesen eingeht, ihn überzeugt (und auch selbst vom Heilerfolg bzw. von der Methode überzeugt ist) und der Patient auch daran glaubt. Man sollte außerdem nicht die Wechselwirkungen zwischen Körper-Geist, und Bewusstsein- Unterbewusstsein außer Acht lassen, denn diese sind wesentliche Bestandteile in der Entstehung einer Krankheit.

 

Quellen und weitere Literatur:

Benedetti et al., 2011. How Placebos Change the Patient‘s Brain. Neuropsychopharmacology. 36, 339-354.

Barrett et al.,2006. Placebo, Meaning and Health. Perspectives in Biology and Medicine. 49, 179-198

Price et al., 2008. A Comprehensive Review of the Placebo Effect:Recent Advances and Current Thought. Annual Review of Psychology, 59.565-590

Arte Dokumentation zum Placebo Effekt: http://future.arte.tv/de/placebo-effekt

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David Elser, BSc

David hat an der Universität Wien Biologie studiert und arbeitet zur Zeit an seiner Masterarbeit im Masterstudium Pflanzenwissenschaften zum Thema Flavonoide. Ein besonderes Anliegen sind ihm die Zusammenhänge zwischen Wissenschaft und Spiritualität. Insbesondere im Bezug auf Ernährung, Medizin und Psychologie.

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